The Greek Library Author

Eusebius of Caesarea

Commentarii in Psalmos (Tom. II: Ps 51-100)

Author namesEusèbe de Césarée · Eusebe de Cesaree · Eusebius of Caesarea · Eusebius Caesariensis

Scientific editors
Cordula Bandt Editor Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Magali Coullet Editor
Edition reference
Patrologia graeca 23
CTS identifier
urn:cts:greekLit:tlg2018.tlg034.local002
Corpus release
2.2.0 · 2026-08-29

Preface 1

Vorbemerkung der Online-Edition

Bei dem hier dargebotenen Text des eusebianischen Psalmenkommentars handelt es sich um einen vorläufigen Lesetext der in Arbeit befindlichen kritischen Edition, der aus den mit dem Classical Text Editor erstellten Dateien konvertiert wurde. Soweit vorhanden, sind die Apparate (Bezeugung und Varianten) daher (vorerst) nicht für die Anzeige im PTA optimiert, da größtenteils die Bezeugung des Lemmas fehlt. Für Ps 51–71 greift die vorliegende Online-Fassung auf die als „Eusebius von Caesarea Werke Band X: Der Psalmenkommentar. Teil 2,1: Die Kommentare zu Psalm 51­–71. Herausgegeben von Cordula Bandt, GCS.NF 30, Berlin/Boston 2024“ publizierte Druckfassung zurück. Die folgende Praefatio ist diesem Band entnommen.

Die handschriftliche Überlieferung

Die Kommentare des Eusebius zu Ps 51–71 werden in direkter Tradition im Codex Coislin 44 (Sigle E) überliefert, der Kommentar zu Ps 51 außerdem mit Zuschreibung an Johannes Chrysostomus im Codex Paris. gr. 655 (Sigle Xp). Neben der direkten Überlieferung wurde die Katenentradition ausgewertet.

Handschriften der direkten Überlieferung

(E) Paris, Bibliothèque nationale de France, Coislin 44 (10. Jh.) Die technischen Angaben im Folgenden sind weitgehend übernommen aus: Robert Devreesse, Catalogue des manuscrits grecs II: Le fonds Coislin (Paris 1945) 39.

Die Pergamenthandschrift umfasst 429 Folia, welche in der rechten oberen Ecke des Rectos mit arabischen Zahlen nummeriert sind. Fünf Seitenzahlen sind zweimal vergeben, im vorliegenden Band betrifft das fol. 122a (Kommentar zu Ps 65). Bis auf die erste und die letzte Lage (5 bzw. 6 Folia) sind die Quaternionen vollständig. Durch den Textverlust aus der ersten Lage sind offenbar 2 Folia vor dem eigentlichen Kommentar zu Ps 51 verloren gegangen. Diese könnten ein Inhaltsverzeichnis und/oder eine Einleitung enthalten haben. Das dritte Folium ist aus dem Kommentar zu Ps 51 zwischen fol. 3v und 4r ausgefallen. Die Handschrift wurde, vermutlich im Zuge einer zweiten Bindung, an den äußeren Rändern beschnitten, wodurch die oberen Marginalien teilweise zerstört worden sind. Der Text erscheint in zwei Kolumnen mit jeweils 30 Zeilen.

Auf fol. 1r ist oberhalb des Textes von späterer Hand Devreesse (wie Anm. 1) datiert diese Hand ins 14. Jh. eine Inhaltsangabe nachgetragen: Εὐσεβίου (von einer weiteren Hand ü.d.Z. erg.: τοῦ Παμφύλου [sic]) Ἀρειανοῦ ἐξήγησις εἰς τοὺς (korr. aus τὸν) ψαλμοὺς τοῦ Δα(υὶ)δ τοὺς ἀπὸ ναʹ ἕως ρʹου. Das bedeutet, dass der Codex offenbar zum Zeitpunkt dieses Eintrags zwar kein Titelblatt, Vorwort oder Inhaltsverzeichnis mehr enthielt, aber die Kommentare zu Ps 51 bis 100. Durch den Verlust einer unbekannten Zahl von Folia am Ende bricht jedoch im jetzigen Umfang der Handschrift der Text in der Kommentierung von Ps 95,2b–3b ab. Weiterhin findet sich auf fol. 1r im unteren Seitenrand ein Hinweis zur Provenienz der Handschrift aus der Großen Lavra auf dem Athos. Vgl. Devreesse (wie Anm. 1). Auf den mir vorliegenden Reproduktionen lese ich unterhalb des Textes von einer weiteren Hand den Vermerk: βίβλιον τοῦ ἀθανασίου(?) δέκατον, was sich auf den Gründer der Großen Lavra, Athanasios den Athoniten, beziehen lässt.

Aufgrund ihres sehr schlechten konservatorischen Zustands war es mir nicht möglich, die Handschrift in situ zu konsultieren. Ich benutzte durchgängig einen Mikrofilm und die online zugänglichen Digitalisate des Mikrofilms der BnF. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b11004562j. Die Handschrift ist jedoch auf diesen Reproduktionen sehr gut lesbar.

Formal ist E sehr klar und übersichtlich strukturiert. Jeder Kommentar trägt im oberen Seitenrand eine Überschrift, die weitgehend mit der entsprechenden eusebianischen Perioché übereinstimmt. Vgl. dazu Cordula Bandt, Eusebius, Periochae, in: Cordula Bandt / Franz Xaver Risch / Barbara Villani (Hrsg.), Die Prologtexte zu den Psalmen von Origenes und Eusebius = TU 183 (Berlin 2019) 122–141. Wie oben erwähnt, sind diese Marginalien allerdings durch die nachträgliche Beschneidung des Codex teilweise beschädigt oder sogar gänzlich zerstört. Mit Sicherheit sind die Überschriften ein ursprünglicher Bestandteil des Psalmenkommentars, denn auf fol. 80r findet sich ein Pinax, der die nächsten 11 Kommentare zu Ps 61–71 mit genau diesen Überschriften ankündigt. Siehe unten, S. 138. Für eine farbige Abbildung des Pinax in E siehe Bandt / Risch / Villani (Hrsg.), Prologtexte (wie Anm. 5) 364 (Abb. 4). Dies ist zwar die einzige in E erhaltene Übersicht dieser Art, da jedoch auch in anderen Werken des Eusebius solche Pinakes erscheinen, ist davon auszugehen, dass es sich um einen ursprünglichen Bestandteil des Werkes handelt. Zumindest für die Asafpsalmen (Ps 72–82) erübrigt sich ein solcher Pinax durch die ausführliche Einleitung zu dieser Psalmengruppe, die überschrieben ist: τῶν ἐπιγεγραμμένων τοῦ Ἀσὰφ ψαλμῶν αἱ περιοχαί (fol. 209r, mit dieser Einleitung beginnt der Editionstext des zweiten Teilbands der Kommentare und Katenenfragmente zu Ps 72–100). Sowohl in der Praeparatio evangelica als auch in der Historia ecclesiastica finden sich am Beginn der einzelnen Bücher Pinakes über die enthaltenen Kapitel.

Nicht immer beginnen die einzelnen Kommentare mit einer neuen Kolumne. Die Anfänge werden daher durch die vergößerte und teilweise ausgestellte Zahl des Psalms und durch den Gebrauch einer Auszeichnungsmajuskel für die Überschriften der Psalmen abgesetzt. Kapitel der Kommentare werden in der Regel durch das zu kommentierende Lemma eingeleitet. Diese einleitenden Lemmata wie auch längere Abschnitte aus dem Lemma innerhalb des Kommentars, andere Verse aus dem jeweils kommentierten Psalm und mitunter auch längere Zitate aus anderen biblischen Büchern sind durch Diplé am linken Rand der Kolumne gekennzeichnet.

Der Text in E ist im Allgemeinen sehr zuverlässig und erfordert nur wenige editorische Eingriffe. Iotazismen und offensichtliche Schreibfehler wurden stillschweigend korrigiert, sofern es sich nicht um orthographisch mögliche Varianten handelt. In zwei Fällen habe ich jedoch nicht normalisiert: Zum einen finden sich in überwiegender Zahl die nicht-augmentierten Formen ἴδεν und ἴδον (statt εἶδε[ν] und εἶδον), zum anderen steht das bewegliche ν sehr häufig an Stellen, an denen es nicht nötig ist. Interessanterweise treten diese beiden Besonderheiten vorwiegend in Bibel- oder Hexaplazitaten auf. Aus diesem Grund gehe ich davon aus, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um Nachlässigkeit oder Konvention des/der Kopisten, sondern um bewusst eingesetzte Sprache des Autors handelt, auch wenn der Grund dafür nur vermutet werden kann. Möglicherweise fand Eusebius die Schreibweisen in den von ihm benutzten Bibelhandschriften vor; vielleicht evozierte ein solcher Sprachgebrauch für ihn auch eine gewisse (Alt-)Ehrwürdigkeit.

(Xp) Paris, Bibliothèque nationale de France, Grec 655 (11. Jh.)

Diese Handschrift überliefert auf fol. 133v–140r den vollständigen Kommentar des Eusebius zu Ps 51. Bei Xp handelt es sich um eine Sammlung von Psalmenauslegungen, die Johannes Chrysostomus zugeschrieben werden. Neben dem Kommentar zu Ps 51 sind weitere Pseudo-Chrysostomica enthalten, beispielsweise zu Ps 101–107 eine Katene. Die Analyse dieser Katene durch Marcel Richard ist aufgenommen in: José Antonio de Aldama, Repertorium Pseudochrysostomicum (Paris 1965), unter den Nummern 73, 109, 165, 207, 424, 438, 522. Es ist unbekannt, wie die Zuschreibung des gesamten Codex an Johannes Chrysostomus zustande kam. Die Handschrift wurde zuletzt umfassend beschrieben durch Pierre Augustin und Jacques-Hubert Sautel. Pierre Augustin / Jacques-Hubert Sautel, Codices Chrysostomici Graeci VII: Codicum Parisinorum pars prior (Paris 2011) 119–120. Für die vorliegende Edition habe ich das online zugängliche Digitalisat des Mikrofilms der BnF benutzt. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10723869s. Der Text trägt auf fol. 133v die mit Sicherheit sekundäre Überschrift τοῦ αὐτοῦ εἰς τὸν ναʹ ψαλμόν:~

Die Parallelüberlieferung durch Xp ist ein besonderer editorischer Glücksfall, da mit ihr der oben erwähnte Textausfall in E geheilt werden kann. Ansonsten sind die Abweichungen zwischen E und Xp nicht groß, bei Varianten ist allerdings meist E der Vorzug zu geben. Gegenüber der Katenenüberlieferung stimmen beide Handschriften in der Regel überein. Eine direkte Abhängigkeit von E schließt sich für Xp schon aufgrund der Zuschreibung an Chrysostomus aus; sie kommt auch nicht infrage aufgrund besserer Varianten in Xp. Siehe den app. crit. zu 1,4; 2,10–11; 8,23 u.ö. Umgekehrt kann natürlich E keinesfalls von Xp abhängig sein, aufgrund der Überlieferung, der Datierung und des in der Regel besseren Textes in E.

Henry Savile hat den Text für seine Chrysostomus-Edition kopiert und redigiert. Diese Abschrift findet sich im Codex Oxford, Bodl., Auct. E. 4.6, pag. 65–80, Für eine Beschreibung dieser Handschrift vgl. Michel Aubineau, Codices Chrysostomici Graeci I: Codices Britanniae et Hiberniae (Paris 1968) 158. der Vorlage für die Edition Henry Savile (Hrsg): Τοῦ ἐν ἁγίοις πατρὸς ἡμῶν Ἰωάννου τοῦ Χρυσοστόμου τῶν εὑρισκομένων τόμος 1 (Eton 1612) 912–916. Seine Edition wurde nachgedruckt durch Jacques-Paul Migne in PG 55, 589–594.. Dass es sich um eine Abschrift aus Xp handelt, ist einerseits aus Saviles eigenen Anmerkungen zu schließen, Vgl. Henry Savile (Hrsg): Τοῦ ἐν ἁγίοις πατρὸς ἡμῶν Ἰωάννου τοῦ Χρυσοστόμου τῶν εὑρισκομένων τόμος 8 (Eton 1613) 123. andererseits zeigt es sich auch bei einem Vergleich beider Handschriften: In der Tat sind alle Fehler in Xp von Savile kopiert und später teilweise korrigiert worden. So fehlt in Xp beispielsweise die Zahl λγʹ (1,14), diese wurde aber von Savile i.m. mit Verweiszeichen ergänzt. Einige Änderungen hat Savile schon bei der Abschrift vorgenommen; so schreibt er den Namen Δαυίδ, der in Xp immer in der üblichen Weise als nomen sacrum abgekürzt wird, konsequent aus als Δαβίδ. Neben Korrekturen sind i.m. auch die von Eusebius zitierten Bibelstellen notiert, wie sie im Druck in Saviles Edition erscheinen. Da mit Xp die Vorlage des Oxforder Codex erhalten ist, sind nur relevante Konjekturen von Savile im Apparat vermerkt: Savilems steht dabei für die Oxforder Handschrift, Savileeditio für die gedruckte Edition.

Handschriften der Katenenüberlieferung

Wie beim ersten Drittel und der zweiten Hälfte des Psalters sind auch für die im vorliegenden Band enthaltenen Kommentare vor allem die Exzerpte der Ersten Palästinischen Katene (Typ VI bzw. XI Karo / Lietzmann, CPG C 12, bzw. C 19 und C 24) für die Textkritik maßgeblich. Allerdings wurde diese Katene für unseren Teil des Psalters nur in einer einzigen Handschrift bis in die Neuzeit überliefert, dem Codex Tauriensis C II 6 (Sigle Bt), der bedauerlicherweise 1904 durch einen verheerenden Brand in der Biblioteca Nazionale Universitaria di Torino fast gänzlich zerstört wurde. Neben den wenigen erhaltenen Fragmenten dieser Handschrift wurden daher verschiedene Sekundärtraditionen der Ersten Palästinischen Katene ausgewertet, und zwar Katenen, die wörtliche Auszüge dieser Katene enthalten. Um den textkritischen Apparat nicht unnötig aufzublähen, wurden nach eingehender Prüfung einige zunächst aussichtsreiche Sekundärüberlieferungen nicht aufgenommen, denn diese Handschriften enthalten keine relevanten Varianten: Athos, Μονή Βατοπεδίου, 660 (10.–11. Jh., keine Klassifizierung bei Karo / Lietzmann, CPG C 40.1); Wien, ÖNB, Theol. gr. 59 (12.–13. Jh.,Typ VII K/L, CPG C 20); Vatikan, BAV, gr. 754 (10. Jh., Typ XIII bzw. XIX K/L, CPG C 26 bzw. 32); Moskau, GIM, gr. 194 (10.–11. Jh., Typ XIII bzw. IV K/L, CPG C 26 bzw. C 17); Vatikan, BAV, Ottob. gr. 398 (11. Jh., Typ IV K/L, CPG C 17); Vatikan, BAV, Borg. gr. 3 (anno 1665, Typ X K/L, CPG C 23). Die Niketaskatene, die sich für das letzte Drittel des Psalters als wichtige Quelle eusebianischer Fragmente erweist, ist für die Textkritik der im vorliegenden Band enthaltenen Kommentare weitgehend zu vernachlässigen.

(Bt) Turin, Biblioteca Nazionale Universitaria, C II 6 (11. Jh.) Der Codex wird als Nr. 221 beschrieben in Giuseppe Pasini / Antonio Rivautella / Francesco Berta, Codices Manuscripti Bibliothecae Regii Taurinensis Athenaei per Linguas digesti, binas in Partes distributi, in quarum prima Hebraei, Graeci, in altera Latini, Italici, Gallici (Turin 1749) 311. Eine kurze Beschriebung geben weiterhin Georg Karo / Hans Lietzmann, Catenarum Graecarum Catalogus, Pars 1, in: Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-historische Klasse (1902) 1–66, hier 64–65.

Vor seiner Zerstörung durch den Brand 1904 umfasste der Pergamentcodex 323 in zwei Kolumnen mit je 37 Zeilen beschriebene Folia und enthielt die Erste Palästinische Katene zu Ps 51–100. Da es sich um einen zweiten Band der von Karo / Lietzmann als Typ VI (CPG C 19) Um Verwirrung zu vermeiden, möchte ich an dieser Stelle auf die abweichende Klassifikation der Handschrift selbst durch Karo / Lietzmann hinweisen, wobei daran zu erinnern ist, dass ihre Arbeit weit vor der von Marcel Richard liegt, der als erster die Palästinsche Katene als älteste Psalmenkatene identifizierte. Da die im Codex Tauriensis C II 6 erhaltenen Kommentierungen zu Ps 51–100 zwar zur Zeit der Arbeit von Karo / Lietzmann noch vollständig erhalten waren, jedoch nicht in den von ihnen untersuchten Bereich fallen (Prologe, Ps 22 und Ps 115), erscheint die Handschrift folgerichtig bei Karo / Lietzmann unter den codices varii (wie Anm. 17, 64–65). Allerdings vermerken sie am Schluss der Beschreibung ihres Typs XI irreführenderweise, dass der Turiner Codex zu diesem Typ gehört (ebd. 38). Aufgrund dieses kurzen Hinweises wird der Codex in der CPG der Katene C 24 zugerechnet, die Typ XI Karo / Lietzmann entspricht. Dies ist aber die zweibändige Ausgabe der Ersten Palästinischen Katene (Ps 1–75 / 76–150), von der nur Handschriften des zweiten Teils erhalten sind. Wenngleich es sich bei Typ VI und XI um dieselbe Katene handelt (wie es auch in der CPG durch die Einführung einer gemeinsamen Nummer [CPG C 12] deutlich gemacht wird), stehen die beiden Typen doch für verschiedene Ausgaben dieser Katene. Sie unterschieden sich ganz offensichtlich nicht nur im Umfang der Bände (Typ VI = 3 Bände: Ps 1–50, 51–100, 101–150; Typ XI = 2 Bände: Ps 1–75; 76–150), sondern auch im Layout. So ist die dreibändige Ausgabe in ihren ältesten Handschriften in zwei Kolumnen geschrieben, die zweibändige dagegen auch in den ältesten Handschriften in Seitenbreite. Dorival geht davon aus, dass die dreibändige Ausgabe die ältere und die zweibändige sozusagen eine byzantinische Vulgata („comme la vulgate byzantine“) davon ist, vgl. Gilles Dorival, Les Chaînes exégétiques grecques sur les Psaumes I (Leuven 1986) 115#. Zur Identifikation der Palästinischen Katene vgl. Marcel Richard, Les premières chaînes sur le Psautier, in: Bulletin d’information de l’Institut de Recherche et d’Histoire des Textes 5 (1956) 87–98 = ders., Opera minora (Turnhout 1977) Nr. 70. Zur Zuordnung der Handschrift Taur. C II 6 zu CPG C 24 vgl. Maurice Geerard, Clavis Patrum Graecorum IV: Concilia, Catenae, 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. von Jacques Noret (Turnhout 2018) 275–276. Zu den Handschriften der Katene des Typs XI (Milano, Biblioteca Ambrosiana, F 126 sup.; Wien, ÖNB, theol. gr. 59 und Patmos, Μονὴ τοῦ Ἁγίου Ἰωάννου τοῦ Θεολόγου, cod. 215) siehe auch die Praefationes in Band II/2 und III; zu den Handschriften des Typs VI, also den anderen Handschriften der B-Gruppe, siehe die Praefatio in Band I. klassifizierten dreibändigen Ausgabe der Ersten Palästinischen Katene handelte, wurde der Handschrift eine Sigle aus der B-Gruppe zugewiesen, in der ansonsten die Handschriften eben dieser Katene zu Ps 1–50 zusammengefasst sind.

Nach dem Brand sind nur 76 Fragmente, meist der inneren Kolumnen, erhalten. Die Fragmente wurden aufwändig restauriert und in einen neuen Pergamentcodex eingepasst, der dieselbe Signatur trägt. Wo sich die Reihenfolge der Fragmente aus den verkohlten Resten nicht mehr rekonstruieren ließ, hat laut einer Notiz in der Innnenseite des vorderen Einbands Dominique Barthélemy die Anordnung festgelegt. Manche dieser Fragmente enthalten nur wenige Buchstaben, auf dem größten (fol. 3rv) lassen sich 32 Zeilen einer Kolumne zählen, wobei weder der obere noch der untere Seitenrand erkennbar sind.

Im Mai 2008 hatte ich die Möglichkeit, diesen Codex vor Ort zu sichten und zu fotografieren. Die dabei entstandenen Aufnahmen konnte ich für die textkritische Arbeit am Psalmenkommentar des Eusebius auswerten.

Aus den erhaltenen Fragmenten lässt sich schließen, dass es sich, wie für die Erste Palästinische Katene zu erwarten, um eine alternierende Katenenhandschrift handelte, also Lemma und Auslegungen sich abwechselten. Die Lemmata waren durch Diplé am linken Kolumnenrand ausgezeichnet. Die Autoren der Exzerpte waren durch die Kurzform der Namen links neben der Kolumne angegeben, wobei offenbar nur fünf Autoren genannt waren: Apolinaris, Didymus, Origenes, Eusebius und Theodoret. Diese Autoren werden bei Pasini / Rivautella / Berta (wie Anm. 17) angeführt. Bei meiner Analyse der erhaltenen Fragmente sind mir weder Siglen noch Texte weiterer Autoren begegnet.

Die Entzifferung der erhaltenen Fragmente ist mühsam und gelingt auf der helleren Fleischseite meist besser als auf der Haarseite, wo die Schrift oft durch die Einwirkung der Hitze stärker beschädigt ist. Dem eusebianischen Psalmenkommentar lässt sich sogleich auf fol. 2r ein Fragment zu Ps 56 zuweisen und im weiteren, soweit es die im vorliegenden Band enthaltenen Kommentare betrifft, Fragmente zu Ps 56, 58, 59, 60, 67, 68, 70 und 71. Nur selten sind ursprünglicher Anfang oder Ende der Exzerpte erhalten, zudem setzen sie in der Regel mit unvollständigen Zeilen ein. Dennoch hat sich die Auswertung der Handschrift als Gewinn für die Textkritik erwiesen: so lässt sich die Genese von Abweichungen der Katenen vom direkt überlieferten Text nachvollziehen, Z. B. 109,21 (Kommentar zu Ps 59): ὁ δὲ Ἀκύλας ἐπὶ κρίνων E καὶ ὁ Ἀκύλας δὲ ἐπὶ κρίνων ἀντὶ τοῦ εἰς τέλος τοῖς ἀλλοιωθησομένοις ἐπέγραψεν Bt καὶ Ἀκύλας δὲ ἀντὶ τοῦ εἰς τὸ τέλος τοῖς ἀλλοιωθησομένοις ἐπὶ κρίνων ἐπέγραψεν DdCaCb. Varianten anderer Katenen werden unterstützt, Z. B. 101,18 (Kommentar zu Ps 58): τοῦ πάθους BtCaCb < E. und an einer Stelle bietet Bt sogar als einziger Textzeuge den richtigen Text. 311,27 (Kommentar zu Ps 71): λαμπροτέραν Bt < E.

(G) Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Reginensis graecus 40 (13. Jh.)

Hierbei handelt es sich um eine Bombycin-Handschrift, die auf 344 Folia Kommentierungen zu Ps 1–150 enthält. Die Handschrift ist sehr gut erhalten, wurde jedoch offenbar neu gebunden, denn fol. 144 und fol. 151, die äußeren Blätter eines Quaternions, sind dabei vertauscht worden. Dies ist in der Foliierung der Handschrift mit arabischen Zahlen nachträglich korrigiert worden.

G ist die einzige erhaltene Handschrift des Katenentyps IX nach Karo / Lietzmann (CPG C 22), einer komplexen, aus verschiedenen früheren Katenen zusammengestellten Katene, Gilles Dorival spricht in einem solchen Fall von einer chaîne complexe. Zur Katene des Vat. Reg. gr. 40 siehe Gilles Dorival, Les Chaînes exégétiques grecques sur les Psaumes V (Leuven 2018) 1–36. die als Randkatene geschrieben ist. Im Mittelteil erscheint allerdings nicht der Text der kommentierten Psalmen, sondern die Scholien des Hesych zu den Psalmen, kombiniert mit anderen Exzerpten. Zu dieser inneren Sammlung vgl. Gilles Dorival, Les Chaînes exégétiques grecques sur les Psaumes II (Leuven 1989) 44–57. Im Gegensatz zu anderen Katenen ordnet die Katene von G die Exzerpte nicht zwingend nach den darin kommentierten Psalmenversen, sondern oftmals sind mehrere Exzerpte ein und desselben Autors zu nacheinanderfolgenden Psalmversen aneinandergereiht. Der Name des Autors wird jeweils am Beginn des Fließtextes in roter Tinte angeben. Über den Zeilen sowohl der Randkatene als auch des Mittelteils erscheinen, ebenfalls in roter Tinte, griechische Zahlen als Verweiszeichen. Die Zählung dieser Zahlen beginnt mit jedem Psalm neu, und in der Regel erscheinen dieselben Verweiszahlen im Mittelteil und am Rand. Da jedoch, wie erwähnt, der Mittelteil nicht den Text der Psalmen enthält, ist davon auszugehen, dass die Verweiszahlen sich auf einen anderen Codex beziehen, in dem die Psalmentexte enthalten und entsprechend nummeriert waren. Während ich die meiste Zeit meiner Editionsarbeit mit dem gut lesbaren Mikrofilm der Handschrift und einem Digitalisat davon arbeitete, ist die Handschrift nunmehr in hervorragenden Farbbildern online zugänglich. https://digi.vatlib.it/view/MSS_Reg.gr.40.

Obgleich die jüngste, bietet G an vielen Stellen den besten Text aller in die Edition aufgenommenen Katenenhandschriften. In der Regel handelt es sich um wörtliche Auszüge, nur selten wird Text paraphrasiert. An einigen Stellen sind die Varianten von G sogar der direkten Überlieferung in E vorzuziehen. Zudem überliefert G große Teile des in E durch den oben beschriebenen Verlust eines Foliums im Kommentar zu Ps 51 ausgefallenen Textes, und oftmals lassen sich kleinere Textausfälle in E zumindest teilweise durch G heilen. Vgl. dazu den kritischen Apparat zu 228,20–24 (Kommentar zu Ps 67), siehe auch 258,18–19 und 260,25–27 (Kommentar zu Ps 68).

(Wa) Wien, Österreichische Nationalbibliothek, theol. gr. 8 (11. Jh.) Der Codex ist detailiert beschrieben bei: Herbert Hunger / Otto Kresten, Katalog der griechischen Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek 3,1, Codices theologici 1–100 (Museion N.F. 4, Bd. 1, T. 3,1; Wien 1976) 14–15.

Die Pergamenthandschrift umfasst 276 Folia und hat einen bemerkenswerten Aufbau: Den Mittelteil bildet der Psalmenkommentar des Diodor; eine erste Randkatene, von Karo / Lietzmann als Typ V (CPG C 18) klassifiziert, wird durch eine zweite Randkatene gerahmt, die Scholien des Origenes und Exzerpte aus Theodorets Psalmenkommentar kombiniert. Insbesondere die Scholien des Origenes haben in der Forschung großes Interesse geweckt, vgl. ; Dorival, Chaînes II (wie Anm. 24) 8–18; Franz Xaver Risch, Das Handbuch des Origenes zu den Psalmen, in: Adamantius 20 (2014) 36–48. Die Handschrift enthält Kommentierungen zu Ps 1–118. Bei einigen Psalmen fehlt die zweite Randkatene, teilweise erscheinen auf dem dadurch vorhandenen freien Platz Zusätze von späterer Hand. Weiterhin ist bei einigen Psalmen die erste Randkatene, die allein für die Edition des eusebianischen Psalmenkommentars von Interesse ist, Für eine Analyse dieser Katene siehe Dorival, Chaînes V (wie Anm. 23) 130–173. sehr kurz und endet schon weit früher als der Kommentar des Diodor. Dies betrifft von den im vorliegenden Band behandelten Kommentaren Ps 63, 65, 70 und 71; für Ps 62 wird überhaupt keine Katene überliefert. Die Zuordnung der Exzerpte erfolgt durch Kurzzitat des jeweils kommentierten Psalmenverses, die Autorenzuweisung wiederum durch Siglen am äußeren Rand. Die Exzerpte sind meist sehr kurz, zudem arbeitet der Kopist mit zahlreichen Abkürzungen. Bei meiner Arbeit konnte ich auf sehr gute farbige Digitalisate der Handschrift zurückgreifen.

In Wa sind deutlich weniger Exzerpte aus den Psalmenkommentaren des Eusebius enthalten als in den anderen Katenenhandschriften. Dessenungeachtet ist die Textqualität dieser Exzerpte sehr gut, so dass oftmals wichtige Varianten überliefert werden.

(Dd) Athos, Μονή Μεγίστης Λαύρας, B 83 (11.–12. Jh.) Eine sehr kurze Beschreibung der Handschrift geben Spyridon Lauriotis / Sophronius Eustratiades, Catalogue of the Greek Manuscripts in the Library of the Laura on Mount Athos, with Notices from other Libraries (Harvard Theological Studies 12, Cambridge 1925) 23.

Der Pergamentcodex umfasst 362 Folia und enthält Kommentierungen zu Ps 1–150 und zu den Oden. Auch Dd enthält eine Randkatene, die jedoch in diesem Fall die kommentierten Psalmen rahmt. Diese Katene (CPG C 40.25) wurde von Karo / Lietzmann nicht aufgenommen. Es handelt sich erneut um eine komplexe Katene, die unter anderem eine Auswahl von Exzerpten aus der Ersten Palästinischen Katene enthält. Vgl. die Analyse der Katene zu Ps 1–118 bei Dorival, Chaînes V (wie Anm. 23) 126–168. Der Name des Eusebius (Εὐσεβίου τοῦ Παμφίλου) wird als einziger in der stark verblassten Inhaltsangabe auf fol. 1r erwähnt. Die Katene selbst endet mit Ps 118, danach folgen nur noch Exzerpte, die Johannes Chrysostomus zugeschrieben sind. Vgl. Lauriotis / Eustratiades, Catalogue (wie Anm. 30). Für meine Arbeit konnte ich lediglich Digitalisate eines Mikrofilms und Mikrofiches von mäßiger Qualität auswerten. Da zudem einige Folia starke Gebrauchspuren und Flecken aufweisen, lässt sich der Text aus diesen Reproduktionen nicht immer zweifelsfrei entziffern. Soweit dies für textkritische Entscheidungen relevant ist, wurde es im Apparat vermerkt.

Im Allgemeinen bestätigt Dd den Text von Fragmenten, die auch in G überliefert sind, mitunter ist jedoch auch weiteres Material enthalten. Dd bietet in der Regel wörtliche Auszüge, an einigen Stellen finden sich jedoch auch Paraphrasen und offensichtliche Zusätze. Z.B. app. crit. zu 258,19–20 (Kommentar zu Ps 68); siehe auch unten, S. XXII.

(Ca) Paris, Bibliothèque nationale de France, gr. 139 (10. Jhdt.) Für eine detaillierte Beschreibung dieser Handschrift mit weiteren Literaturangaben siehe Leontien Vanderschelden, An Unconventional Catena on the Psalms. A Partial Edition of the Type III Catena and an Assessment of its Position in the Exegetical Tradition (Diss. Leuven 2020) 40–43.

Der als „Pariser Psalter“ vor allem wegen seiner prachtvollen Illustrationen bekannte Pergamentcodex umfasst 449 Folia und enthält Kommentierungen zu Ps 1–150 und den Oden in einer Randkatene, die den Psalmentext rahmt. Die Autorennamen erscheinen in roter Tinte am Rand oder zum Beginn der Exzerpte; der Bezug auf die jeweils kommentierten Halbverse erfolgt durch vielfältige Verweiszeichen im Lemmatext und am Rand der Katene. Bei meiner Arbeit konnte ich zunächst auf einen qualitativ hochwertigen Mikrofilm, später auf die ebenfalls hervorragenden online verfügbaren farbigen Digitalaufnahmen der Handschrift https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10515446x. zurückgreifen.

(Cb) Venedig, Biblioteca Nazionale Marciana, gr. Z 17 (10. Jhdt.) Eine detaillierte Beschreibung dieser Handschrift findet sich ebenfalls bei Vanderschelden, An Unconventional Catena (wie Anm. 34) 44–48.

Der ebenfalls sehr großzügig gestaltete, 430 Folia umfassende Pergamentcodex überliefert nicht nur dieselbe Katene wie Ca zu Ps 1–150 und zu den Oden, sondern ist auch beinahe identisch aufgebaut. Tatsächlich enthalten die meisten Seiten genau dieselben Psalmverse und kommentierenden Exzerpte. Allerdings verwendet Cb keine Verweiszeichen sondern griechische Zahlen, um die Exzerpte den jeweiligen Halbversen zuzuordnen. Meist stimmen Ca und Cb wörtlich überein, allerdings neigt Cb bei problematischen Stellen zu (mitunter genialen) Schreiberkorrekturen. Auch für diese Handschrift habe ich zunächst einen Mikrofilm und später die online zugänglichen digitalen Aufnahmen https://www.internetculturale.it/jmms/iccuviewer/iccu.jsp?id=oai%3A193.206.197.121%3A18%3AVE0049%3ACSTOR.240.9608&mode=all&teca=marciana. benutzt.

Aus den Varianten in Ca und Cb lässt sich schließen, dass keine der beiden Handschriften direkt von der anderen abhängig ist. Vgl. dazu auch Leontien Vanderschelden, The Archetype of the Type III Catena and the Broader Catena Tradition of the Psalms, in: Cordula Bandt / Reinhart Ceulemans (Hrsg.), Research on Psalter Catenae: Future Trends and Recent Developments = TU 197 (Berlin 2024), 45–60. Allerdings zieht Vanderschelden aus ihren Untersuchungen den Schluss, dass Ca und Cb nicht einmal auf dieselbe Vorlage zurückgehen können. Ihre Argumente erscheinen mir nicht zwingend, und angesichts des indentischen Aufbaus beider Handschriften und der großen textlichen Nähe halte ich die Annahme einer gemeinsamen Vorlage sogar für äußerst naheliegend. Die Katene wurde von Karo / Lietzmann als Typ III (CPG C 16) klassifiziert. Sie kombiniert diverse Elemente, Zu der Katene siehe Dorival, Chaînes I (wie Anm. 18) 232–324. Siehe auch Ekkehard Mühlenberg, Psalmenkommentare aus der Katenenüberlieferung III = PTS 19 (Berlin 1978) 23–25. unter anderem zwei verschiedene Sammlungen von wörtlichen Auszügen aus der Ersten Palästinischen Katene. Bei der Kombination dieser beiden Quellen war der Katenist zwar bemüht, Dopplungen zu vermeiden, dennoch finden sich immer wieder Dubletten, die sich meist in Umfang und Wortlaut unterscheiden. Sofern in der vorliegenden Edition Dubletten ausgewertet wurden, ist dies duch den Zusatz dubl zur Sigle gekennzeichnet. Dabei bezeichnet Cadubl/Cbdubl immer das Exzerpt, das als zweites erscheint. Neben wörtlichen Auszügen enthält diese Katene eine große Zahl von Paraphrasen. Diese wurden grundsätzlich nicht in die vorliegende Edition aufgenommen, da die Dokumentation ihrer Varianten sehr aufwändig ist und keinen textkritischen Wert hat.

Die Exzerpte der C-Gruppe sind meist wesentlich stärker gekürzt als in den anderen ausgewerteten Katenenhandschriften. Dennoch handelt es sich durchaus um eine wichtige Quelle, weil sie viele Auszüge überliefert, die in keiner anderen Katene enthalten sind.

Die Niketaskatene

Im Gegensatz zur Bedeutung der Niketaskatene für die Überlieferung von Fragmenten zu Psalm 101–150 im dritten Band unserer Edition des Psalmenkommentars des Eusebius kommt dieser Katene für die in direkter Tradition erhaltenen Kommentare zu Ps 51–71 im vorliegenden Band nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Das von Niketas aufgenommene eusebianische Material geht fast nie über das der beschrieben Nebentraditionen der Palästinischen Katene hinaus und ist diesen Traditionen gegenüber erkennbar sekundär. In der Regel handelt es sich um Satzfetzen eher als um ganze Sätze, die zudem noch umgestellt oder umformuliert wurden. Dieser Befund ist allerdings nicht verwunderlich, wenn man den gewissermaßen neuzeitlich-wissenschaftlichen Anspruch des Niketas bedenkt, aus den auf ihn gekommenen exegetischen Werken ein neues, eigenes Werk zu schaffen. Vgl. dazu Franz Xaver Risch (†), Zur Arbeitsweise des Niketas: Bemerkungen zu seiner Katene zu Ps 101–150, in: Bandt / Ceulemans (Hrsg.), Research on Psalter Catenae (wie Anm. 38) 61–92. Es ist also davon auszugehen, dass Niketas für seine Kommentare zu Ps 51–71 nicht die eusebianischen Kommentare in direkter Tradition, sondern lediglich Katenenmaterial benutzt hat. Aus diesem Grund wurde die Niketaskatene nur an den Stellen aufgenommen, wo sie textkritisch relevant ist. Aus ihrer umfangreichen Überlieferung Vgl. dazu Dorival, Les Chaînes exégétiques grecques sur les Psaumes III (Leuven 1992) 492–565, eine Übersicht findet sich ebd. 513. wurden dafür folgende zwei sehr alte Handschriften ausgewertet:

(Na) Al-Iskandariyya (Alexandria), Βιβλιοθήκη τοῦ Πατριαρχείου, cod. 11

Der Pergamentcodex von 544 Folia aus dem 12. Jh. enthält die Katene zu Ps 1–76. Zu dieser Handschrift vgl. Dorival, Chaînes III (wie Anm. 41) 496–497 und die online zugänglichen Aufzeichnungen von Marcel Richard, die im IRHT verwahrt werden: https://ideal.irht.cnrs.fr/document/818960. Bei meiner Arbeit habe ich das Digitalisat eines Mikrofilms dieser Handschrift benutzt, im dem jedoch einige Folia nicht enthalten sind.

(Nb) Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Palat. gr. 247

Dieser Pergamentcodex aus dem 12. Jhdt. enthält auf 387 Folia ebenfalls die Niketaskatene zu Ps 1–76. Der Codex ist sehr detailiert beschrieben im Rahmen des Projektes „Biblioteca Palatina – digital“, vgl. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/de/bpd/virtuelle_bibliothek/codpalgraec/beschreibungen/bav_pal_gr_247.html. Für eine weitere ausführliche Beschreibung siehe Dorival, Chaînes III (wie Anm. 41) 511–512. Hier konnte ich einen vollständigen Mikrofilm der Handschrift auswerten. Nb enthält mehr Zuschreibungen am Seitenrand, mitunter sind jedoch die enthaltenen Texte gegenüber Na gekürzt. Für meine Arbeit benutzte ich zunächst einen guten und vollständigen Mikrofilm der Handschrift, inzwischen ist aber auch ein sehr gutes Digitalisat online verfügbar. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bav_pal_gr_247.

Zwei strittige Katenenfragmente zu Ps 51

Ekkehard Mühlenberg benennt zwei Katenenfragmente zu Ps 51, die nach seiner Einschätzung zumindest teilweise mit dem Kommentar des Eusebius in Zusammenhang stehen könnten. Vgl. Ekkehard Mühlenberg, Psalmenkommentare aus der Katenenüberlieferung II = PTS 16 (Berlin 1977) xxii–xxiii. Bereits Gilles Dorival widerspricht einer Zuschreibung an Eusebius und plädiert für die Zuschreibung an Didymus. Vgl. Gilles Dorival, Chaînes I (wie Anm. 18) 169–170. Die beiden Fragmente sollen an dieser Stelle kurz besprochen werden.

Fragment 1 (zu Ps 51,9) Ps 51,9: Ἰδοὺ ἄνθρωπος, ὃς οὐκ ἔθετο τὸν θεὸν βοηθὸν αὐτοῦ, ἀλλ’ ἐπήλπισεν ἐπὶ τὸ πλῆθος τοῦ πλούτου αὐτοῦ καὶ ἐδυναμώθη ἐπὶ τῇ ματαιότητι αὐτοῦ.

Εἰ γὰρ ἔθετο τὸν θεὸν βοηθὸν αὐτοῦ, οὐκ ἂν διέβαλε τοὺς δούλους καὶ θεραπευτὰς αὐτοῦ. δέον δὲ τὸν θεὸν βοηθὸν ἐπικαλεῖσθαι, ἧττον τούτου φροντίσας ἤλπισεν ἐπὶ τῷ πλήθει οὗ εἶχε προσκαίρου πλούτου· ἦν γὰρ τῶν ἐπιτεταγμένων βασιλικὴν ὑπηρεσίαν. ἐνεδυναμοῦτο γοῦν ἐν τῇ ματαιότητι αὐτοῦ, ᾗ εἶχεν ἀγόνων καὶ στείρων ζῴων τυγχάνων ἡγούμενος.

Καὶ τάχα πᾶς πλουτῶν ἐν κακίᾳ ψευδωνύμῳ γνώσει (vgl. I Tim 6,20) ἐν τῷ μεγαλοφρονεῖν ἐπὶ τούτοις ἐπελπίζει ἐπὶ τῷ πλήθει τοῦ τυφλοῦ πλούτου αὐτοῦ· ἀλλὰ καὶ ἐνδυναμοῦσθαι νομίζει ἄρχων ἀγονίας καὶ στείρωσιν πρὸς πᾶν ἀγαθὸν ἐχουσῶν ψυχῶν.

Καὶ αἱ τῆς ψυχῆς δὲ αὐτοῦ δυνάμεις στερωθεῖσαι πρὸς τὴν ἀρετὴν καὶ τὴν ἀλήθειαν ἡμίονοι ἂν εἶεν, ὧν ἐφειστήκει τοῦ Σαοὺλ τοῦ πονηροῦ βασιλέως. ὁ γὰρ Σαοὺλ τοῦ πονηροῦ πνεύματος τύπον φέρει, ἄρξαντος τοῦ Ἰσραὴλ τότε εἰπόντος· οὐκ ἔχομεν βασιλέα· καὶ γὰρ ὁ πάλαι λαὸς ἐξουθενώσας τὸν θεὸν βασιλεύοντα αὐτοῦ ᾔτησε τὸν Σαοὺλ ἄρχοντα αὐτῷ δοθῆναι.

Dieser Text wird lediglich in Dd als geschlossene Einheit überliefert und Eusebius zugeschrieben. In G erscheint 2 δέον – 14 δοθῆναι mit Zuschreibung an Diodor. In Ca Cb wiederum erscheint 1 Εἰ – 5 ἡγούμενος mit Zuschreibung an Eusebius, direkt im Anschluss daran 6 τάχα – 9 ψυχῶν mit Zuschreibung an Didymus.

Im Kommentar des…

Fragment…

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